Das Sozialverhalten der Farbmaus

Um die Mäuse und ihr Sozialverhalten besser verstehen zu können muss man wissen, das Farbmäuse, egal ob weiblich oder männlich, in erster Linie Nasentiere sind, siehe unter Sinne.

Das Leben der Mäuse ist durch diese anatomische Besonderheit deutlich geprägt. Leider wird genau diese Eigenschaft vom Halter oft nicht ausreichend beachtet, denn der Mensch mit seinem eher schlechtem Riechvermögen kann das nicht nachempfinden.

 

Kontaktaufnahme

Die Kontaktaufnahme zu Artgenossen oder auch fremden Mäusen läuft vorrangig über den Geruch, der Tiere ab. Deshalb beschnuppern sich die Mäuse bei fast jeder Begegnung kurz am Genitalbereich und überprüfen den Geruch. Jedes Tier einer Gruppe hat einen bestimmten Gruppenduft und zusätzlich noch einen spezifischen Eigengeruch an dem sich die Tiere einer Gruppe auch deutlich unterscheiden können. In einer Familiengruppe hat der Gruppenduft einen deutlich höheren Stellenwert als der spezifische Einzelgeruch, denn zum Überleben in der Natur und zum Schutz vor Feinden aller Art ist ein starker Gruppenzusammenhalt notwendig und jede Einzelmaus fast völlig hilflos.

Jede Kontaktaufnahme von Mäusen, speziell von fremden Artgenossen fängt mit dem Beschnuppern an!

 

Macht- und Dominanzspiele

Hierzu zählen vor allem die gegenseitigen Jagdzehnen um zu zeigen wer die größte Kondition besitzt, das Aufreiten des dominanten Tieres beim schwächeren und die verschiedenen Drohgesten, siehe aber hierzu auch unter Mäusesprache.

Das typische Aufreiten findet sehr häufig bei jungen Mäusen gleichen Geschlechts (hier zwei Weibchen)  statt. Sehr oft kann man es aber auch beobachten das ältere Männchen ganz junge Männchen besteigen. Beides dient der Machtdemonstration.

 

 

Revierverhalten und Markierungsverhalten

Jede Maus, besonders die männlichen Mäuse grenzen ihr Gebiet (Käfig) mit zahlreichen Duftmarken vor fremden Mäusen ab. Das Geschlecht spielt bei diesem Verhalten keine Rolle, allerdings haben die Männchen die stärkere Duftmarke und markieren auch deutlich mehr als Weibchen. 

Die Markierung dient den Mäusen aber auch sich schneller und leichter zurecht zufinden. Futterstelle, Wasserflasche, bestimmte Lieblingsplätze und Pinkelecken werden deutlich markiert. 

Eine junge Babymaus, die gerade die Gegend zum ersten mal erkundet, lernt von ihren Eltern, sich nach den gesetzten Duftmarken (vertraute Gerüche) zu orientieren. Schon nach kurzer Zeit finden die Kleinen von selbst das Futter, die Wasserflasche und die Toilettenecke, zumindest sieht es für uns so aus!

Die Markierung beinhaltet aber für die Mäuse noch weitere Informationen, bei Männchen gibt sie vor allem noch Auskunft über die Stellung des Männchens und seine Potenz!

Bei Weibchen zeigt sie auch vor allem die Brünstigkeit und somit ihre Fruchtbarkeit an, brünstige Weibchen markieren deutlich mehr!

Rangordnung

Die Farbmaus lebt von Natur aus in großen Familienverbänden, die erst durch eine strenge Rangordnung ermöglicht werden. In den Familienverbänden übernimmt ein starkes Männchen die Führung. Alle anderen Männchen der Sippe müssen sich ihm unterordnen. Allerdings wird die Führungsposition von den halbstarken unterlegenen Männchen oft angegriffen, meist aber nur zum Kräftemessen. Die Weibchen sind oft alle dem Anführer direkt unterstellt ohne eine weitere Hierarchie. Nur der Anführer, also der stärkste und potenteste Mäusemann, darf die Weibchen decken und seine Gene weitergeben. 

Ist aber ein Jungtier zu übermütig und verletzt die Rangordnung bewusst öfter und unterliegt dann im Kampf wird es aus der Familiengruppe verstoßen!

Im Heimtierkäfig hat aber dieses Tier keine Chance zu fliehen und es wird dann zwangsläufig auf einen Kampf hinauslaufen der nicht selten mit dem Tod des schwächeren endet!!!

 

 

Rangordnungs- und Revierkämpfe

Wenn es zum Kampf kommt fordert der Angreifer den Anführer entweder durch einfache Drohgebärden, wie Fell sträuben und gesenkte Kopfposition oder durch massive Drohungen, wie trommeln mit den Hinterbeinen und Schwanzschlagen, heraus.  Ein weiteres Anzeichen beim Angreifer sind die zugekniffenen Augen bevor er angreift oder direkt zubeißt. Einige Angriffe geschehen scheinbar ohne jede Vorankündigung, diese werden im Normalfall von Drohschreien im Ultraschallbereich eingeleitet und sind für uns nicht zu bemerken. Im Kampf richten sich die Männchen auf und schlagen mit den Vorderpfoten aufeinander ein, gleichzeitig versuchen sie sich gegenseitig anzuspringen und zu beißen. Dies führt oft dazu, dass die Männchen sich zu einem Knäuel zusammenballen und über den Boden kullern. Sobald einer der Männchen merkt er wird verlieren gibt er einen Demutsschrei ab und hockt sich auf die Hinterbeine und zieht die Vorderpfoten ganz nah an die Brust. Dies ist ein erlerntes Zeichen für den Gegner den Kampf zu beenden. Oft verharrt der Unterlegene einige Sekunden ganz starr in dieser Demutshaltung.

Die verschiedenen Warnzeichen, Drohschreie und Drohgebärden müssen alle in ganz frühem Alter von den Eltern spielerisch erlernt werden und sind keineswegs alle angeborene Verhaltensweisen. Zu früh von ihren Eltern getrennte Jungtiere weisen oft erhebliche Mängel im sozialen Verhalten auf!

Noch schlimmer die Mängel oder falschen Verhaltensweisen setzen sich bei weiterem Nachwuchs oft fort.

 

Typische Kampfposition!

Der ältere Mäuserich drängt den Kleinen in die Enge und zwingt ihn so sich zu ergeben!!!

 

Eigenbesitzansprüche

Dies ist eigentlich ein Verhalten das in die Kategorie Verhaltensstörungen einzugliedern ist, tritt recht häufig auf und hat meist keine schlimmen Folgen für die Gruppenharmonie.  Es tritt bei Männchen oder Weibchen gleichermaßen häufig auf. Manche Tiere entwickeln für bestimmte Gegenstände eine Vorliebe, oft sind es bestimmte Aussichtstürme, Laufräder oder gemütliche Verstecke und verbringen dort sehr viel Zeit, markieren diese Dinge recht stark und beginnen mit der Zeit diese gegen ihre Gruppenmitglieder erst etwas, später aber ganz heftig zu verteidigen. Diese Gegenstände sollten dann einfach entfernt werden um die Gruppenharmonie wieder herzustellen.  Bei Mäusemännchen kann so etwas mitunter wenn es nicht rechtzeitig bemerkt wird zum Bruch der Gruppe führen, besonders dann wenn ein unterlegenes Männchen so auch ein Teilgebiet mit absteckt. Aus welchem Grund die Mäuse den Eigenbesitz plötzlich in Anspruch nehmen, habe ich noch nicht herausgefunden.

 

Putzverhalten

Das Putzverhalten der Mäuse untereinander dient nicht nur der Sauberkeit für die Stellen die sie allein nicht erreichen können, sondern stärkt den Gruppenzusammenhalt und dient auch der Entspannung.

Am Putzverhalten einzelner Tiere einer Gruppe kann man sehr viel über die Rangordnung oder die Stellung des einzelnen Tieres erkennen. Ältere Tiere bei Weibchengruppen oder das ranghöchste Männchen in einer Männchengruppe fordern oft die rangniederen oder jüngeren Tiere zum putzen auf, indem sie den Kopf gesenkt direkt dem anderen Tier unter die Schnauze schieben. In diesem Fall festigt das Putzen die Rangordnung, Demutsgeste der Untergebenen. In Weibchengruppen gibt es aber oft genau gegensätzliches Verhalten, das dominante Weibchen putzt oft mehrere unterlegene Weibchen gleichzeitig und festigt somit ihre Stellung in der Gruppe. In diesem Fall ist das Putzen ihrerseits ein Beweiß zur Demonstration ihrer Machtposition.

Typisches Entspannungsputzen von zwei Geschwistern!