Durch die Geruchsbelästigung, nach eintreten der Geschlechtsreife kommt der erste und häufigste Haltungsfehler ins Spiel.
Der gutmeinende Mäusebesitzer versucht nun durch gründliche Reinigung des Käfigs oder Aquariums diese Geruchsbelästigung zu unterbinden. Genau das ist leider völlig verkehrt.
Durch die Beseitigung der Duftmarken, stachelt der Halter die Mäusemännchen erneut und meist noch stärker an neue zu setzten. Also riecht es nach ganz kurzer Zeit noch schlimmer wie zuvor.
Das ranghöchste Tier einer Gruppe setzt die meisten Duftmarken und die rangniederen Männchen halten sich strikt daran und setzen weniger Duftmarken. Ist aber die Rangordnung nicht geklärt, werden deutlich mehr Marken gesetzt, allein zur Machtdemonstration.
Wenn durch das gründliche Reinigen keine Duftmarke mehr zu erschnuppern ist, kann ein rangniederes Tier versuchen seine Position zu verbessern indem es einfach mehr Duftmarken setzt, als der Anführer. Dieser wird sich das nicht so ohne weiteres gefallen lassen und es kommt meist zu neuen Rangkämpfen und gesteigerten Aggressionen in der Gruppe, da die Mäuse nicht mehr genau Wissen woran sie sind. Oft versucht ein noch unsicherer Anführer nach der Säuberungsaktion alle Schritte und Duftmarken der unterlegenen zu kontrollieren und wird dadurch sehr unter Stress gesetzt.
Ist die Rangordnung noch nicht 100%ig gefestigt kann es auch zu einer Neuordnung kommen. Meist kommt es aber gar nicht soweit, denn der reinliche Besitzer kämpft erneut gegen den Geruch an und setzt damit die armen Mäusemännchen derart unter Dauerstress, dass es nicht mehr zur Ausbildung einer festen Rangordnung kommen kann. Die Tiere können diesem Stress nicht lange Stand halten. Sie werden mitunter krank und die Kämpfe werden deutlich aggressiver, heftiger, blutiger und können sogar tödlich enden.
Gerade Mäusemännchen sind extreme Gewohnheitstiere, die zwar allem neuen aufgeschlossen sind aber einen festen Halt durch ihre Gruppe und ihr Revier benötigen um auf Dauer friedlich miteinander leben zu können.
Deshalb sollte man gerade in dieser Zeit der Rangordnungskämpfe, aber auch später den Käfig nicht so gründlich reinigen und vor allem schon markierte Spielsachen und Häuschen nicht einfach achtlos entfernen.
![]() |
Der Sockenturm hier auf dem Bild ist ein prima Beispiel, er sieht schon recht schmutzig aus, aber auch er wurde trotzdem eine längere Zeit im Käfig belassen. |
Wenn man am Anfang im Käfig alle zwei bis drei Tage die Pinkelecken säubert, und nach und nach ein bis zwei Spielsachen austauscht, hilft man den Männchen sich in ihrer neuen Umgebung und Gruppenstellung schneller und einfacher zurecht zu finden.
Klar ist eine vollständige Reinigung des Käfigs oder Aquariums auch von Zeit zu Zeit nötig. Aber dann bitte den Käfig nur mit klarem Wasser ausspülen und alle Gegenstände ungesäubert wieder an die gleiche Position zurückstellen.
Keine stark duftenden Reinigungsmittel oder Desinfektionsmittel verwenden. Das irritiert die feinen Mäusenasen zu stark. Nach der Säuberung keine neuen Spielsachen hinzustellen, lieber einen oder mehrere Tage damit warten.
Wenn man sich daran hält wird man nach einer Weile bemerken wie der Markierungsdrang deutlich nachlässt, die Kämpfe weniger und spielerischer werden und Harmonie in die Männertruppe einkehrt.
Hat sich erst mal eine feste Rangordnung gebildet kann es sogar vorkommen, dass das Markieren auf ein absolutes Minimum herabsinkt und man kaum noch einen Unterschied zu einer gleichgroßen Damengruppe bemerkt!
Aber auch dann ist es zum Erhalt der sozialen Gruppenstruktur wichtig ihr markiertes Revier, sprich kompletter Käfig mit Einrichtung, nicht zu zerstören. Daher nie eine Komplettreinigung des Käfigs und der Spielsachen gleichzeitig durchführen!
Bei Weibchengruppen braucht man sich über die Rangordnung keine Gedanken zu machen, da sie bevorzugt nur in lockeren Verbänden leben, aber dem Revierverhalten sollte bei Damengruppen ebenfalls Beachtung geschenkt werden.
Komplettreinigungen sollten auch bei Weibchen nicht vorgenommen werden, denn auch bei Mäusedamen bedeutet solch eine Veränderung Streß, weil die geruchlich gewohnte Umgebung fehlt. Somit ist auch die Orientierung der Tiere völlig durcheinander gebracht und muß erst wieder neu hergestellt werden.
Keine stark duftenden Reinigungsmittel oder Desinfektionsmittel verwenden. Das irritiert die feinen Mäusenasen zu stark. Nach der Säuberung keine neuen Spielsachen hinzustellen, lieber einen Tag damit warten.
Ganz deutlich nach jedem gründlichen Reinigen zu erkennen sind hektische, sehr aktive Weibchen die munter oft viele Stunden durch den Käfig toben. Dieses Verhalten wird aber eher durch eine Panikreaktion verursacht und basiert auf den fehlenden Duftmarken ihres Reviers. Es hat nicht viel mit Neugier und Entdeckungslust zu tun, aber über das bemerkte veränderte Verhalten freuen sich die meisten unwissenden Besitzer leider noch!!!
Deswegen ist eine Totalreinigung auch bei Weibchengruppen eher zu vermeiden!!!